Zuhause Ratgeber

Weniger Dinge, mehr Platz für Streit

7. September 20264 Min. Lesezeit

Eine ruhige Wohnung entsteht nicht, wenn alle Dinge verschwinden. Sie entsteht, wenn Entscheidungen sichtbar werden.

Monochrome Illustration eines schlichten Wohnbereichs mit Regal, Tischkante und wenigen bewusst abgelegten Dingen.

Eine leere Oberfläche ist nicht automatisch eine gute Oberfläche. Manchmal ist sie nur eine Oberfläche, auf der man gerade noch nichts ablegen durfte.

In unserer Wohnung gibt es wenige Dinge, die nur herumstehen. Das heißt nicht, dass alles einen perfekten Platz hat. Es heißt eher, dass wir schneller merken, wenn ein Gegenstand keinen Platz mehr findet. Das kann praktisch sein. Es kann auch zu einer Diskussion führen, die länger dauert als das Aufräumen.

Ich beginne deshalb nicht mit der Frage, was weg kann. Ich beginne mit der Frage, was hier wirklich gebraucht wird und wer das entscheidet.

Fünf Fragen statt einer Ausmist-Challenge

Diese fünf Fragen haben nichts mit einem vollen Karton zu tun. Sie helfen mir, einen Gegenstand zu sehen, bevor ich über ihn entscheide.

1. Ist es sichtbar?

Manche Dinge gehören an den Rand, weil sie den Alltag tragen: das Brotbrett, die Schlüssel, der Kamm. Wenn etwas ständig gebraucht wird und tief in einer Kiste liegt, ist nicht die Kiste das Problem, sondern der Platz. Sichtbarkeit ist kein Luxus, sie ist Gebrauchstauglichkeit.

2. Wird es benutzt?

Die ehrliche Antwort nach einem Jahr hört sich oft so an: nein. Aber Vorsicht, wir haben in der Familie ein anderes Tempo. Eine Murmelbahn aus dem letzten Sommer ist im Winter keine Luftnummer, sie ist eine Zwischenlagerung von Erinnerungen. Frag niemals im Dezember, was im Juni noch gespielt wurde.

3. Lässt es sich reparieren?

Ein Regal mit einer ausgeleierten Schraube ist ein Nachmittag. Ein Toaster mit einer kaputten Platte ist Elektroschrott, und das gehört ehrlich gesagt. Bei Holz gilt: Wenn die Verbindung nachziehbar ist, lebt das Stück weiter.

4. Kann man es teilen?

Der zweite Rührlöffel, das fünfte Handtuch, das aufgeschnittene Obst: Was geteilt werden kann, braucht keinen Einzelplatz. Einfacher Trick von uns: Manche Dinge haben ihren Platz in der Küche und in der Hand von jemandem, der gerade kocht. Kein Fach ist ein Reich.

5. Ist es entbehrlich?

Diese Frage ist die schwierigste, weil sie nicht über den Gegenstand entscheidet, sondern über die Erinnerung. Ein Teddy mit einem abgekauten Ohr ist keine Möbelentscheidung. Er ist Familie. Man muss nicht alles behalten, aber man muss auch nicht alles rechtfertigen. Entbehrlich ist etwas dann, wenn niemand beim Wegräumen an einen bestimmten Abend denkt.

Unterschiedliche Zugänge

Kinder und ältere Menschen gehen anders mit Dingen um, und das ist kein Erziehungsfehler. Eine Oma, die alles behält, verhandelt mit einer Geschichte, die länger ist als unser Regal. Ein Kind, das seine Sammlung verteidigt, übt etwas Wichtiges: dass seine Welt einen Platz wert ist. Beides verträgt sich mit einer ruhigen Wohnung, wenn die Entscheidung nicht nur lautet „bleibt” oder „fliegt”, sondern auch: „Wo bekommt es eine Grenze und trotzdem Luft?”

Ein abgedunkeltes Bild zeigt das nächste Stück: Viele solcher Versuche, Flächen leben zu lassen, sammeln die Stauraumideen von SCHÖNER WOHNEN. Wir verlinken das als redaktionelles Beispiel für Wohnideen, nicht als Produktwerbung. Die Bilder dort zeigen perfekte Regale. Unsere Regale sind voller, leiser und an manchen Tagen streitbarer.

Ordnung als Sichtbarkeit

Am Ende ist die ruhige Wohnung für mich kein vorzeigbarer Zustand. Sie ist ein Zustand, in dem Entscheidungen sichtbar bleiben: Das da gehört her. Das da gehört weg. Das da hat noch keinen Platz und wartet, bis wir darüber gesprochen haben. Mehr gibt es nicht zu gewinnen, und genau das reicht.

Zugegeben: Manche dieser Sätze brauchen drei Anläufe. Ein Regal voller Bücher ist eine Entscheidung, die bleibt. Eine Tüte mit Murmeln ist eine Entscheidung, die im Wohnzimmer steht und nach dem Weg gefragt wird. Wir haben solche Tüten und nennen sie offen: eine Kiste mit Dingen, die noch nicht entschieden sind. Sie steht im Schrank, hat eine Größe und damit eine Grenze. Was nicht mehr hineinpasst, bekommt wirklich einen Platz oder wirklich einen Weg. So bleibt das Aufräumen eine Sache mit Richtung, nicht mit Endbewegung.

Eine letzte Beobachtung zum Ende des Tages: Es ist nicht der volle Raum, der uns unruhig macht. Es sind die Einzelstücke ohne Zuhause. Ein Raum kann bewegt sein und ruhig wirken, wenn jeder Gegenstand eine Antwort hat. Deshalb zählt bei uns am Abend nicht die Oberfläche, sondern die Frage, ob jemand etwas vermisst. Wenn niemand etwas vermisst, ist alles an seinem Platz, ganz gleich, wie es aussieht.

Was an einer solchen Wohnung noch wackelt, erklärt Hanno in seiner Betrachtung über Holz als Material, und wie viel ein kleiner freier Platz auf der Kommode aushalten kann, ist hier nachzulesen. Beides gehört zu unserem Thema Zuhause.

Geschrieben für MAHAVI von Malin.

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