Zusammenleben Auftakt
Drei Namen, ein Tisch
MAHAVI beginnt mit drei Namen, einem Tisch und der Frage, wie viel Unterschied eine Familie aushält, ohne auseinanderzurücken.

MAHAVI ist kein Familienmitglied. MAHAVI ist der Name, unter dem drei Perspektiven an einem Tisch Platz bekommen. Ma wie Malin. Ha wie Hanno. Vi wie Vitus. Der Name ist kurz genug für eine Überschrift und lang genug für eine kleine Diskussion darüber, wer eigentlich angefangen hat.
Malin schaut auf den Raum. Hanno schaut auf das, was wackelt. Vitus schaut auf das Brett und wartet, bis jemand seinen eigenen Fehler bemerkt. Dazwischen sitzen Kinder, Teller, Fragen und manchmal ein Gegenstand, der seit drei Wochen keinen festen Platz findet.
Wir wollen hier nicht zeigen, wie Familienleben richtig geht. Das wäre auch für diesen Tisch zu viel Verantwortung. Wir wollen zeigen, was passiert, wenn Menschen mit verschiedenen Erfahrungen denselben Alltag teilen.
Drei Perspektiven, ein Tisch
Der Tisch ist bei uns der Ort, an dem die drei Blickrichtungen zusammenlaufen. Nicht immer friedlich, aber immer gleichzeitig. Er steht in einem Raum, den wir bewusst eher leiser eingerichtet haben: wenige Möbel, klare Flächen, Dinge, die dort liegen, weil sie benutzt werden. Wenn jemand das Wort minimalistisch hört, stellt er sich oft ein Foto vor. Bei uns heißt es vor allem: Es gibt weniger Orte, an denen etwas verschwinden kann. Das macht alle sichtbarer: die Dinge, die Entscheidungen und die Leute.
Ich sehe zuerst den Raum. Wer sitzt so, dass niemand zu weit weg ist? Was steht auf der Fläche, obwohl es dort nichts zu suchen hat? Ein Tisch ist für mich eine Verabredung, die man auch mit der Möbelanordnung treffen kann. Wenn am Sonntag alle zusammenkommen, rücke ich vorher zwei Stühle zurecht, öffne die Tür zum Balkon und stelle eine Schüssel auf den Tisch, die leer bleiben darf. Das ist kein Dekorieren. Das ist Vorbereitung.
Ich sehe zuerst, was hält. Ein Tisch, der wackelt, stört das Gespräch genauso wie ein zu lautes Radio. Nur lässt sich das Radio ausschalten. Der Tisch nicht, wenn die Schraube längst ausgeleiert ist. Ich schaue bei Möbeln nicht auf das Holzbild, sondern auf die Füße: Stehen sie plan? Sind die Querstangen verschraubt oder verleimt? Ein Tisch kann alt sein und trotzdem stehen, wenn die Verbindungen gepflegt wurden.
Ich sehe zuerst die Zeit. Wer kommt, wer geht, wer gleich aufsteht und doch noch bleibt. Am Tisch entscheidet sich selten alles, aber am Tisch wird sichtbar, wie viel Zeit die Leute einander zugestehen. Die Jüngsten brauchen zum Aufstehen länger als alle anderen, nicht weil sie langsam wären, sondern weil sie noch im Blickkontakt mit ihren Bautürmen leben. Ich lasse sie. Der Tisch wartet.
Warum drei Stimmen
Eine Familienzeitschrift mit einer einzigen Stimme wäre wie ein Radio mit einem Sender. Uns interessiert nicht die Antwort, sondern das Gespräch. Deshalb kommt zu jedem größeren Thema manchmal nur eine Meinung, manchmal drei. Wenn wir uns widersprechen, steht der Widerspruch nicht am Rand einer gemeinsamen Wahrheit, er gehört zur Wahrheit dazu. „Zuhause” heißt bei Malin, dass Ordnung Luft zum Denken lässt. Bei Hanno heißt es, dass es hält. Bei Vitus heißt es, dass man bleiben darf. Alle drei stimmen, alle drei widersprechen sich.
Das klingt nach Kompromiss. Gemeint ist es als Relief: Eine Familie liest sich wie eine Landkarte, auf der jede Person ein anderes Gelände zeigt.
Das Wort „echt”
In unserem Claim steht „alles echt”. Das klingt schneller nach Werbung, als es gemeint ist. Es heißt nicht, dass wir die einzig ehrliche Familie sind oder den Alltag ungefiltert senden. Es heißt zunächst einmal: Die Fläche darf voll sein, eine Antwort darf dauern, und eine Sache, die nicht klappt, darf beim nächsten Mal wieder erklärt werden. Echt ist bei uns keine Behauptung über das Leben, sondern ein Verzicht auf die Behauptung.
Alt und jung am selben Brett
Der Unterschied zwischen den Generationen ist selten der Unterschied zwischen falsch und richtig. Er ist meistens ein Unterschied in der Geduld. Vitus schaut bei einer Schachstellung länger, als den Jüngsten lieb ist, und fragt lieber zurück, als die Lösung vorzuzeigen. Malin plant den Nachmittag so durch, dass niemand hungrig werden muss. Hanno repariert das, was wackelt, und sagt dazu einen einzigen Satz, der manchmal nach Kritik klingt und meistens eine Beschreibung ist.
Diese drei Haltungen prallen gelegentlich aufeinander. Aber sie tragen. Ein Tisch, an dem alle dieselbe Meinung hätten, wäre vor allem eines: leerer.
Bei uns hat jede Haltung außerdem einen Platz bekommen. Malin richtet die Küche zum Kochen, Hanno baut am Regal, und Vitus wartet in der Ecke mit dem Schachbrett, bis jemand Lust hat. Wer will, setzt sich dazu. Wer nicht, hört vom Tisch aus das Messer auf dem Brett, das Klopfen am Holz oder das leise Schieben einer Figur. Auf diese Weise hört man sich auch ohne Gespräch.
Was hier anfängt
In diesem Journal schreiben wir weiter, was an so einem Tisch passiert: wie ein gemeinsamer Kalender drei Generationen zusammenbringt und wo er wegfällt, und wie ein Sonntag ohne Fleisch von einer Erwartung zu einem Gericht wird. Wer mehr über die drei Stimmen hinter dem Namen wissen möchte, findet sie auf der Seite über uns.